Montag, 14. November 2011

Weihnachtskleid Sew-Allong

Als ich von Catherines Idee las, hab ich erst einmal gezögert. Mittwochs ein Post einstellen, wenn es passt, ist ja doch eine Aktion, bei der frau auch mal eine Runde aussetzen kann, ohne in Verzug zu geraten. Aber jeden Montag den nächsten Schritt präsentieren zu können erfordert doch weitaus mehr Konsequenz, zumal auch bei mir noch sooo viele Ideen in meinem Kopf rumgeistern, die ich auch gern bis zum Fest verwirklichen möchte. Naja, ich hab inzwischen damit umzugehen gelernt, dass nur ein Teil davon am Ende realisiert ist.

Ein Weihnachtskleid ... brauche ich das überhaupt? Mit leichtem Schauer fallen mir die beim Nähen so schick vorgestellten Teile ein, die ich mir früher kurz vor dem Fest genäht habe, mit mehr oder weniger Aufwand in der großen Hektik, abhängig vom aktuellen Stoffvorrat und angepasst ... vorwiegend an den Geschmack meiner Mama. Schon wenig später beim Betrachten der Weihnachtsbilder kam das große Kopfschütteln ... war das wirklich ich, die da Geschenke auspackte. War mein Spiegel trüb oder war das doch mein jeweiliger Tagesgeschmack gewesen?

Dann kamen Jahre, da waren die Kinder richtig klein, da wurde am Heiligabend bis zur letzten Minute gebastelt, gebacken, gekocht, geschmückt und Weihnachtskleider waren einfach nur unpraktisch, mussten sie doch auch Umarmungen mit Zuckergussfingern und Schokoladenküsschen am Kaffeetisch aushalten können.

Diese Zeit wurde abgelöst von einer sehr schönen Tradition, wir trafen uns am späten Vormittag des Heiligabends mit Freunden am Strand am Feuer, tauschten dort unsere kulinarischen Köstlichkeiten aus und als wir nach Hause kamen, hatten wir den Bärtigen leider verpasst, der große volle Sack stand vor der Tür und wir packten unsere Geschenke im dicken Wollpullover mit Räucheraroma aus ...

Dazu kam, dass aus der traditionellen Firmenweihnachtsfeier meines Arbeitgebers so nach und nach eher eine gemütliche Nachjahreswechselfeier wurde in einer Zeit, in der Jahreswechselstress bewältigt war und wir die Zeit wirklich als schönes Beisammensein genießen können. Auch das ohne Festtagskleid.

Zwei Gedanken haben mich aber doch davon überzeugt, mich zu dieser Aktion anzumelden. Einmal ein Stoff, der schon länger darauf wartet, ein Winterkleid zu werden, vor dem ich aber bisher ein wenig blockiert habe. Ich möchte Schritt 2 nicht vorwegnehmen und das Foto bleibt noch eine Woche gut gesichert auf meiner Festplatte. Aber dieser Stoff soll ein wolliges Etuikleid werden und braucht einen Schnitt mit möglichst wenig Teilungsnähten, der aber sehr gut sitzt. Und genau da ist der Haken, diesen Schnitt muss ich sehr sorgsam an meine Oberweite anpassen, ich komme also diesmal um ein Probemodell nicht drumrum und dafür bin ich meistens zu faul.

Und da kommt Grund 2 in Spiel, Catherines Gedanke, sich selbst ein Geschenk zu machen. Der hat mich dann überzeugt, auch mit Euer Hilfe und Motivation über meinen Schatten zu springen, ich schenke mir dieses Kleid zu Weihnachten, damit ich es den Winter über fleißig tragen kann.

Also los geht's mit der Schnittauswahl. Mein erster Gedanke war der Schnitt eines Kleides, dass ich vor (ich staune selber) 13 Jahren mal genäht habe und mit dessen Sitz ich damals sehr zufrieden war. Wenn der Sitz stimmt, lassen sich modische Anpassungen ja gleich viel leichter machen.

Das war Modell 110 aus der Burda 1/1998.

Genäht aus einem schwarzen weichfließenden Wollkrepp und damals genau protokolliert, in welcher Größe und mit welchen Änderungen genäht. Also hab ich dieses Kleid aus der hintersten Schrankecke geholt und anprobiert. Am Blick könnt Ihr sehr gut sehen, dass ich nicht mehr so ganz begeistert von der Passform bin.


Okay, als ich das Kleid nähte, hatte ich deutlich mehr Hüftgold, diese Mehrweite lässt sich problemlos wieder wegnehmen, das muss ich auch, denn mein Wollstoff ist nicht weichfallend. Dann wären die Falten am Rock sehr wahrscheinlich weg. Aber ... stehe ich ordentlich mit geraden Schultern, steht der Ausschnitt hinten ab, stehe ich normal mit der mir eigenen Haltungsschwäche, rutschen die Träger etwas zur Mitte und das Kleid schlägt vorn Falten. Ich müsste also das Oberteil in der Mitte enger machen, dafür würde sich der Brustabnäher etwas vergrößern ... das wäre sogar gut. Und dadurch könnte ich alles eine Größe kleiner nähen. Denn in der Regel nähe ich Oberteile 2 bis 3 Größen größer als Röcke.

Jetzt kommt aber das berühmte "aber", die diagonale Teilungsnaht sieht beim Originalkleid (zweifarbig) toll aus, geht beim schwarzen Kleid fast unter und würde bei meinem gemusterten Stoff eher stören.

Dann kam das, was mir eigentlich nur Spaß macht, wenn ich viel Zeit übrig habe, das Durchblättern von gefühlten 100 Nähzeitschriften. Kleider dieser Art sind ja einige drin, aber die ersten mit scheinbar guter Passform haben französische oder Wiener Nähte. Gern genäht bei Fleecejacken, bei denen Stoff und Weite doch etwas mehr Spielraum bieten, aber bei meinem unelastischen Stoff den Schnitt so anzupassen, dass die richtigen Kurven auch genau auf der richtigen Höhe liegen, stelle ich mir zu schwer vor. Später einmal mit mehr Zeit gern.

Übrig geblieben sind sind diese beiden Schnitte. Einmal das bei Euch schon öfter gesehene "Cozy Pinnie"-Trägerkleid, bei dem mir die Armausschnitte aber etwas zu weit in Richtung Hals gehen. Die klassischen Unterhemdform vergrößert in der Regel meinen Busen optisch noch und das soll nicht unbedingt sein.












Und dann Modell 109 aus der Burda 7/99, eigentlich ein Sommerkleid aber so schlicht, wie es mein Stoff braucht.

Am Ende werd ich wohl alle 3 Schnitte gut vermessen und mir daraus dann meinen Schnitt basteln, schätzungs- weise das Oberteil vom ersten Schnitt wie angedacht ändern, den Ausschnitt figurgünstig nach unten vergrößern und das engste Rockteil der beiden anderen Schnitte dazunehmen.

Und für das Probekleid werd ich keinen Nessel nehmen, sondern mal in meinem Vorrat an Cord- und Jeanscoupons wühlen. Sollte es schief gehen, kann immer noch ein Rock draus werden ...

Und jetzt schau ich mal hier, was die anderen Mädels so planen.

Kommentare:

  1. Das Burdakleid gefällt mir am besten. Schlicht und schön. Das wird schon, gut messen, etwas mehr Stoff lassen und dann schön abstecken!

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  2. Ich finde auch die Burdavariante am besten!
    Und da der Schnitt sehr schlicht ist, lässt sich das bestimmt auch gut aus festerem Stoff umsetzen.
    Und es ist eine gute Idee von Dir, das Probemodell (da hab ich ja immer keine Geduld zu...) aus z.B. Cord zu nähen! Nessel fällt ja doch sehr anders.
    Bin gespannt, was am Ende dabei herauskommt!

    Lieben Gruß
    Natalie

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